Springe direkt zu Inhalt

Wasserkraft von unten: Die Ukraine seit 2014 als Prisma einer Gesellschaft im Krieg

Bildquelle: Sophie Lambroschini

Bildquelle: Sophie Lambroschini

Dr. Sophie Lambroschini

Das Projekt untersucht den gesellschaftlichen Wandel der Ukraine im Krieg anhand der Wasserkraft, verstanden als Wasser-Energie-Nexus, der Einzugsgebiete, Flüsse, Elektrizitätserzeugung, Bewässerung, städtische Versorgung, Industrie und alltägliches Überleben miteinander verbindet. Es fragt, wie beschädigte Dämme, Stauseen, Leitungen und Kraftwerke unter Bedingungen von Krieg, Knappheit und Umweltzerstörung funktionsfähig gehalten werden und wie diese Praktiken Gesellschaft von unten her verändern. Statt Wasserkraft als rein technischen Sektor zu betrachten, folgt das Projekt Reparaturarbeitern, Ingenieurinnen, Versorgungsmanagern, lokalen Behörden, Umweltakteuren, staatlichen Institutionen und internationalen Gebern als Teil eines menschlich-materiellen Gefüges, in dem alltägliche Entscheidungen und Interaktionen Infrastruktur sichern und praktisch bestimmen, was Energie- und Wassersicherheit bedeuten.

Das Projekt verortet die Wasserkraftsysteme der Ukraine sowohl lokal als auch in umfassenderen transnationalen Infrastrukturen. Flüsse und Stromnetze enden nicht an Staatsgrenzen: Sie verbinden die Ukraine mit der Republik Moldau, der Europäischen Union und der Schwarzmeerregion über gemeinsame Flusseinzugsgebiete, Umweltrisiken, Energiemärkte, Wiederaufbaufinanzierung und konkurrierende Sicherheitsagenden. Die drei Fallstudien – Donbas, der untere Dnipro und der Dnister/Nistru – dienen daher nicht als voneinander isolierte Untersuchungsorte, sondern als miteinander verbundene Fenster auf einen umfassenderen Prozess: die kriegsbedingte Rekonfiguration der ukrainischen Wasser-Energie-Systeme und ihre Integration in ukrainische, europäische und schwarzmeerregionale politische, ökologische und infrastrukturelle Räume.

Projektleitung: Dr. Sophie Lambroschini